Sein Glück finden, kann nur, wer sein Unglück auch loslässt. Denn erst dann kann das Glück kommen. Dies erfordert, sich die Frage nach Wahrheit und nach Illusion zu stellen - und die Bereitschaft, der Antwort Rechnung zu tragen.

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Leben Sie Ihren Traum oder träumen Sie Ihr Leben?

19.08.2016

Kennen Sie die Geschichte vom Kristallwarenhändler aus dem Buch Der Alchemist von Paulo Coelho?
Sie handelt von einem jungen Mann, der von einem Schatz geträumt und sich auf die Suche danach gemacht hat. Einmal musste er eine Pause einlegen, um sich Geld für die Weiterreise zu verdienen. Er fand eine Anstellung bei einem Kristallwarenhändler, wo er ein Jahr blieb, so lange, bis er genügend Geld zusammengespart hatte, um seine Reise fortsetzen zu können.

Am letzten Abend vor seiner Abreise saßen der Jüngling und der Kristallhändler unter dem sternenklaren Nachthimmel und nachdem die beiden eine Weile lang geschwiegen und ein wenig von dem guten Wein genossen hatten, fragte der Jüngling: „Und wann wirst du deinen Traum erfüllen und nach Mekka pilgern?“ Der alte Mann schwieg einen Moment und dann antwortete er: „Ich werde nicht nach Mekka pilgern.“
„Aber warum das nicht?“, fragte der Jüngling erstaunt. „Als ich dich vor einem Jahr aufsuchte, klagtest du, wie gerne du dir deinen Traum erfüllen würdest, aber dass dir leider das Geld fehle, da dein Geschäft so schlecht liefe. Und nun sieh, was wir erreicht haben. Dein Geschäft floriert. Wir haben beide genug Geld, um unsere Träume zu erfüllen.“
Daraufhin antwortete der alte Mann: „Ich weiß, mein Geschäft lief noch nie so gut wie jetzt. Ich könnte wahrscheinlich dreimal nach Mekka pilgern, aber dennoch werde ich es nicht tun.“ Und als er den fragenden Blick des Jünglings auf sich ruhen spürte, sagte er: „Es gibt einen Unterschied zwischen uns: Du bist jemand, der lebt, um seinen Traum zu leben, und ich“, sagte er und hielt einen Moment inne, „ich bin jemand, der sein Leben träumt.“

Sich selbst zu leben, tatsächlich zu leben – bleibt für viele nur ein Traum…

Er bleibt für viele ein Traum, weil nur wenige bereit sind, sich auch tatsächlich auf den Weg zu machen. Die meisten bleiben entweder auf halber Strecke stehen oder träumen ihr ganzes Leben lang davon. Sie träumen ihr ganzes Leben lang davon, endlich sie selbst sein zu können, malen es sich in den schönsten Farben aus, während sie sich heimlich und unbemerkt immer mehr aus dem Leben verabschieden und sich in den Strukturen einrichten, die sie eigentlich verlassen wollen.

„Das Leben geht weiter, aber ich komme nicht voran“, klagte ein Mann Mitte 30, der aufgrund eines Burnouts in die Beratung kam. „Ich erledige meinen Job, der nichts für mich ist, habe meine privaten Kontakte, treffe mich mal hier und mal da mit Frauen, aber wenn ich darüber nachdenke, was bleibt, ist da nichts. Aber wo soll ich anfangen, etwas zu ändern? So schlecht geht es mir nun auch wieder nicht.“
„Letztendlich geht es mir doch wirklich gut“, sagte ein kurz vor dem Burnout stehender Geschäftsmann, der immer wieder seine fehlende Zeit beklagte. „Ich gehöre zu den zehn Prozent der Bestverdiener in Deutschland, was will ich mich beklagen?“
„Ich weiß, ich müsste mich eigentlich mit meiner Partnerschaft auseinandersetzen und eine Einstellung dazu finden, aber zuerst muss ich die Sache mit dem Job regeln, und dann kann ich mir Gedanken über meine familiäre Situation machen“, sagte ein Geschäftsführer,der, wenn er von seiner Frau sprach, diese immer wieder „seine Schwester“ nannte.
„Ob ich bereit bin, mir wirklich die Frage zu stellen, wo ich in acht Jahren stehe, wenn ich so weitermache wie jetzt? Wahrscheinlich nicht – wahrscheinlich würde ich bei der Antwort mehr oder weniger zusammenbrechen. Aber was soll ich tun? So einfach meinen Job wechseln? Wissen Sie, ich halte es da wie mein Vater, der hat auch immer gesagt, es läuft sich schon alles zurecht – und es hat sich auch zurechtgelaufen. Immer. Irgendwie“, sagte ein 40-jähriger Manager, der aufgrund einer Herz-Kreislauf-Symptomatik in die Behandlung kam und darüber klagte, dass er einen Job habe, der ihm so gar nicht entsprechen würde.
„Irgendwann, wenn die Kinder groß sind und das Unternehmen im sicheren Hafen ist, dann kann ich mir Zeit nehmen, darüber nachzudenken, ob ich das eigentlich tatsächlich bin, was ich da tue. Wer weiß, vielleicht verkaufe ich dann alles und fang nochmal ganz von vorne an“, sagte ein Unternehmer.

Der zu sein, der man ist, erfordert Mut

Die Suche nach dem eigentlichen Glück, nach einem wesentlichen Leben scheitert sehr häufig daran, dass Menschen gleichzeitig an dem, von dem sie irgendwo spüren, dass es eigentlich nicht (mehr) stimmt, um jeden Preis festhalten müssen. Auch wenn viele nicht glücklich sind, so fühlen sie sich vermeintlich sicher – sicher in dem Bekannten und Gewohnten. Die Angst ist zu groß, das Bekannte für das Unbekannte zu verlassen, in dem fehlenden Wissen, was echtes Glück eigentlich heißt und was für ein Glück wahre Identität bedeutet.
Was für ein Glück es ist, wirklich zu leben …

Und so wird an dem festgehalten, was nicht stimmt und das nicht Stimmige wird versucht stimmig zu machen…

Wer sein Glück finden will, der kann dies nur, wenn er sich auf die Suche nach sich selbst macht und bereit ist, sich und sein Leben ehrlich auf Substanz zu überprüfen – ohne die Bedingung und ohne die Antwort schon vorwegzunehmen. Sein Glück zu finden, kann nur der, der sein Unglück auch los lässt. Das Innere und das Äußere. Denn erst dann kann das Glück kommen. Dies erfordert, sich die Frage nach Wahrheit und nach Illusion zu stellen. Nach Schein und nach Sein. Nach Wesentlichem und Unwesentlichem. Und es erfordert, der Antwort Rechnung zu tragen.

Wer sein Glück finden will, der braucht Mut

Mut, den Halt nicht mehr in der Gewohnheit, sondern in der Wahrheit zu suchen und den Schritt ins Unbekannte zu machen. Vertrauensvoll der inneren Stimme zu folgen, dass Stimmige zu leben und Schritt für Schritt den sicheren Boden der Wahrheit unter seinen zu Füßen zu spüren. Es bedeutet, sich auf den Weg zu machen, dorthin, wo Authentizität und Wahrhaftigkeit beginnen, in dem Wissen, dass genau dort das Leben beginnt. Dass dort das Leben beginnt und dass dort, wo das Leben beginnt, auch das Glück zu finden ist.

Für jeden von uns.

 


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