"Wie können Gesundheit und erfüllte Partnerschaft bestehen, wenn das Wissen um die eigene Identität fehlt?"

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Eine verlorene Kindheit und die Konsequenz für die Gegenwart.

23.12.2011

In Auseinandersetzung mit der eigenen, häufig nicht gehabten Kindheit oder tiefen Einschnitten der eigenen Biografie, nehmen die Menschen in den Coachings immer wieder auf die eigene Elternschaft Bezug.
„Ich will es zumindest bei meinen Kindern besser machen“,  „meine Kinder sollen nicht so leiden, wie ich“ oder  „meine Kinder sind der Grund, warum ich das hier mache“ sind einige der vielen Äußerungen.
Doch was für eine Konsequenz hat dieser Vorsatz im konkreten (Familien)alltag?
„Es besser machen zu wollen“ birgt noch lange nicht die Lösung des Richtigen- im Gegenteil, das Falsche bleibt nach wie vor die Orientierung.

Was kann man also tun, um seinen Kindern zu einem gesunden Leben zu verhelfen?
Wonach ist sich zu richten?
Kann die „fehlgeschlagene“ Kindheit der Eltern, der Maßstab für das Kind sein?
Oder werden damit Vergleiche getroffen, die nicht getroffen werden können- weil jeder Mensch ein Individuum ist? Weil das Kind immer ein Anderer sein wird in seinen Empfindungen und Eigenschaften, wie es der Vater oder die Mutter im gleichen Alter war?
Weil es an dem gemessenen Maßstab der elterlichen Kindheit einer Kategorisierung unterworfen wird, die, obwohl gut gemeint, am Ende schädlich (weil die eigene Persönlichkeit hemmend) ist?
Wonach aber wäre sich dann zu richten, wenn nicht nach den eigenen Erfahrungen?
Worauf zu achten?

Jedes Kind besitzt in sich ein untrügliches Gespür für das, was es braucht

Doch obwohl dies nicht viel ist, scheint es in der heutigen Zeit kaum möglich zu geben:
Willkommen geheißen zu werden in einer Atmosphäre, in dem das beständige „Ja“ aller zueinander das Fundament des gemeinsamen (familiären) Lebens und der Garant für das Wachstum des Kindes ist.
Dieses  „Ja“  ist  weder mit Gleichmacherei, symbiotischer Verschmelzung noch mit unbedingt gleicher Meinung zu verwechseln. Ebenso wenig wie es den Verzicht auf Grenzen und Regeln bedeutet.
Das „Ja“ zueinander meint nicht, alles gut zu heißen, was der andere tut - es meint,  ihn als Person gut zu heißen.
Die Fähigkeit „Ja“ zu der Person, aber „Nein“ zu der Sache zu sagen-
die Reife, sich selbst nicht als Maßstab zu nehmen und den Anderen- egal wie alt er ist- als eigenes Individuum anzuerkennen und zu fördern, das meint dieses „Ja“ .

So, wie Du bist, bist Du gut

Ein „Ja“ zu dir, setzt immer ein „Ja“ zu mir voraus.
Ein „Ja“ zu mir, die Kenntnis meiner Identität.

Identisch zu leben, ohne sich zum Maßstab für Andere zu machen, den anderen in seinem „Anders Sein“  nicht als Bedrohung sondern als Bereicherung zu erleben –  ist dies nicht die beste Grundlage, welche Eltern ihrem Kind bieten können, es zu seiner Identität und gesundem Leben zu verhelfen?
Viel erscheint es nicht.
Es ist um so vieles weniger, als all jener Aufwand, welcher heutzutage im Außen betrieben wird.
Und dennoch-dieses Wenige scheint immer unmöglicher zu werden.

Die Folgen sind verheerend

Findet aus psychologischer Sicht in den ersten Jahren keine angemessene personale Versorgung des Kindes statt, keine Unterstützung im Finden und Bestätigen der eigenen Identität, dann wird sich dies früher oder später rächen.
Ein Kind, was in diesem Sinne nicht ausreichend versorgt wurde, lernt nicht, sich später selbst zu versorgen.  In der Unkenntnis der eigenen Identität wird es weder einen Umgang mit den eigenen Bedürfnissen noch seinen Grenzen wissen.
Ist dies einer der Gründe für die wachsende Zahl an psychosomatischen Erkrankungen, der wachsenden Zahl derer, die „über Ihr Maß“ leben und ausbrennen, der Grund für das wachsende Scheitern von Partnerschaften?
Wie können Gesundheit und erfüllte Partnerschaft bestehen, wenn das Wissen um die eigene Identität fehlt?

Aus psychologischer Sicht sind die prägendsten Jahre eines Menschen immer seine ersten Jahre

Prägend sind nicht, wie viele annehmen, einzelne Erlebnisse, sondern vielmehr die Beziehungen, die untereinander geherrscht haben. Das alltägliche Miteinander.
So, wie die Bezugspersonen, meistens die Eltern, mit sich selbst, wie sie miteinander umgegangen sind- ebenso, wie mit mir umgegangen wurde-
aus diesen Erfahrungen lerne ich den Umgang mit mir selbst- und meinen Umgang mit anderen.
Sowohl im Positiven wie im Negativen.
Je beziehungsloser und nicht identischer die Atmosphäre des Elternhauses, je geringer die personale Versorgung des Kindes, umso größer das dadurch entstandene emotionale „Loch“, die fehlende Identität und das Gefühl der späteren Minderwertigkeit.
Materieller Wohlstand und beste Ausbildungen können dieses Loch nicht stopfen.
Äußerer Reichtum ist kein Garant für inneren Reichtum.

Was für Konsequenzen können  daraus gezogen werden?
Welche Konsequenzen könnten Sie ziehen, die Eltern unter Ihnen, die nicht das wiederholen möchten, unter dem Sie möglicherweise als Kind selbst gelitten haben?
Was könnten Sie tun in dieser Welt voller Beziehungs-, Erziehungsratgeber, Meinungen und Trends?

Warum nicht bei dem Einfachen anfangen?

Bei dem Einfachen und Wenigen.
In dem Wissen, dass einzelne Erlebnisse die Kinder um so vieles weniger prägen, als die Atmosphäre des täglichen Miteinanders.
Warum nicht mit dem Einfachen anfangen, einmal innehalten und den Blick auf sich richten?
Warum nicht die  Frage nach Identität stellen?
Die Frage: „Bin ich da, wo ich sein will und bin ich der/die, der/die ich bin?“
„Lebe ich (m)ein identisches Leben?“
Warum wollen Sie sich nicht die Frage nach eigener Identität und die Frage nach dem identischen Miteinander stellen?
Die Frage nach dem „Ja“.
Des persönlichen „Ja“ zu mir, des Partnerschaftlichen wie des Elterlichen „Ja“.
Die Frage nach der Atmosphäre bei Ihnen und zwischen Ihnen.

In dem Wissen, „es ist das alltägliche (Vor)leben, was prägt“

die Frage stellen nach eben diesen“ Ja‘s“ zueinander-
in dem weder der eine noch die andere zum Maßstab des anderen wird, sondern altersunabhängig jedes Familienmitglied in seiner Identität (an)erkannt, gefördert und willkommen geheißen wird.

 

Ich wünsche Ihnen besinnliche Feiertage und einen guten Start in das neue Jahr.

 

2 Kommentare

  1. Sommerschuh am 24.12.2011 um 13:37 Uhr

    Merry Christmas!

  2. Michael am 29.12.2011 um 16:02 Uhr

    Das Beste was jedem im Laufe der Zeit passieren sollte, sind gute und fundierte Informationen zu erhalten. Danke für diesen Blog-Beitrag!


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