"Was Sie für Ihre Gesundheit
tun können?
Leben Sie..."

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Burnout - Folge eines nicht gelebten Lebens.

25.02.2012

Immer mehr Menschen sind in der Mitte Ihres Lebens bereits „ausgebrannt“.
Was ist die Ursache dafür, dass dort, wo eigentlich der Zenit angesagt ist, häufig „nur noch ein Loch“ zu finden ist?
Warum kommt überzufällig häufig gerade dann, wenn das Leben zur Hälfte um ist, der Zusammenbruch?

Jeder Mensch verfügt über ein individuelles, bestimmtes Maß an (Lebens)Energie.
Man könnte dies auch im übertragenen Sinne als "Energiekonto" bezeichnen. 
Was daraus wird, ist eine einfache betriebswirtschaftliche Tatsache: Je nach Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben verhält sich auch das Konto.
Hauswirtschaften Sie gut, sind Sie in den schwarzen Zahlen, übersteigen die Ausgaben die Einnahmen, sind Sie in den roten Zahlen.
Ein Burnout ist nichts anderes als die Insolvenz der eigenen Lebensenergie und Gesundheit.

Obwohl dies für die meisten zwar logisch nachvollziehbar, scheint die konkrete Umsetzung dieser Logik jedoch nicht wirklich klar:
Was heißt es, im gesundheitlichen Sinne gut zu wirtschaften?
Was bedeuten in diesem Sinne „Einnahmen“ und was bedeuten „Ausgaben“?

Jemand, der überwiegend funktioniert „zahlt nicht auf sein Konto ein“

Eine Frau, die an einem Burnout erkrankt war, beschrieb ihr Leben wie folgt:
„Ich war nur noch am funktionieren. Es gab keinen Moment mehr, wo ich einmal innegehalten oder etwas für mich gemacht habe. Ich lief atemlos von A nach B und C. Ich war für jeden jederzeit verfügbar - nur nicht für mich selbst. Alles war durchgeplant und ich irgendwo mitten drin in meinem Leben. Ein Leben, was nicht mehr das Meine war.“

Wenn es also eine Regel für ein erfolgreiches gesundheitliches Wirtschaften geben kann, dann die folgende:
Leben Sie.
Denn, je mehr Sie in Ihrem Leben „funktionieren“, umso weniger kommen Sie auf Ihre Kosten.
Sie „drehen Sie sich selbst den (Lebens)Hahn zu“ und bewegen sich auf der reinen Ausgabenseite.


Indem Moment wo sie anfangen zu funktionieren, hören Sie auf zu leben

So paradox die Frage auch klingen mag, so selbstverständlich erscheint doch ihr häufiges Stellen in der heutigen Zeit:
Die Frage nach leben.

Wo liegt der Unterschied zwischen leben und funktionieren?
Was bedeutet es „auf meine Kosten“ zu kommen?
Was bedeutet es zu leben anstatt zu überleben?

Dies herauszufinden und umzusetzen benötigt die Fähigkeit, mit sich selbst in Beziehung  zu treten.
Zu leben- und damit auch auf die eigenen Kosten zu kommen, können nur diejenigen, welche wissen, wer sie sind. Wer seine Identität nicht kennt, weiß nicht um die eigenen Bedürfnisse und Notwendigkeiten und kann deswegen auch nicht wissen, "was die eigenen Kosten sind".

Menschen mit einem Burnout handeln wider der eigenen Identität- in den meisten Fällen aus Unkenntnis derselben heraus.

Sei es in der häufigen Spaltung von Ratio und Emotio und dem Versuch das Leben über den Verstand zu meistern, sei es in der Unterwerfung gegenüber den eigenen Prägungen, sei es aus dem Grund einer tiefen Minderwertigkeit und einer damit verbundenen äußeren Grenzenlosigkeit -  Ihnen fehlt die Fähigkeit, mit sich in den Dialog zu treten.

"Wenn ich es rückblickend betrachte" berichtete ein 46 Jahre alter Manager am Ende einer erfolgreichen Burnout Behandlung "so wusste ich damals nicht wirklich, wer ich eigentlich tatsächlich war. Ich lebte ein Leben aus einer Vorstellung heraus. Ich war, so wie ich dachte, dass ich wohl bin. Am Ende wurde das Leben dann auch zu einer einzigen Vostellung. Es fehlte jede Authentizität - in jedem Lebensbereich."
Dass der "Schein das Sein ersetzt", beschreiben die meisten der Betroffenen als ein zentrales Merkmal auf ihrem Weg in den Burnout. 

Die selbstkreierte Identität ersetzt unbemerkt die Eigentliche - mit fatalen Folgen

Die Nichtbeachtung des Innen, dessen, was „wirklich ist“,  führt zu einer wachsenden Fixierung im Außen. Notwendiger Halt und fehlende Identität werden nicht mehr in der eigenen Person, sonden nur noch im Äußeren gesucht.
Die Konsequenz ist nicht nur eine massive Abhängigkeit vom Außen, sondern die Konsequenz ist auch eine wachsene innere Leere.
Während sich auf die Entwicklung des äußeren „Reichtums“- sei es in Form von Karriere, Familiengründungen oder anderen Statussymbolen - konzentriert wird, nimmt die innere Armut weiter zu.

Wen wundert es also, dass ein Burnout überzufällig in der Lebensmitte vorzufinden ist?

In einer Lebensphase, wo der äußere Aufbau abgeschlossen, wo im Außen das Leben gesichert und viele der Ziele erreicht sind?
Einem Moment, in dem der Blick, welcher lange Zeit durch das atemlose Nachjagen von scheinbar notwendigen Ziele vermieden wurde, nun notgedrungen nach Innen fällt?
Wen wundert es, dass von der inneren Leere immer schlechter abzulenken ist, wenn es im Außen „immer weniger zu finden gibt“?
Wenn die Begrenztheit des eigenen Lebens durch das Älter werden kaum mehr zu verdrängen ist?
Ist es so erstaunlich, dass Menschen über die plötzliche Erkenntnis eines "nicht gelebten" Lebens ausbrennen?
Dass mit der Frage „und nun?“ sich sehr schnell die Frage „wofür“ anschließt?
Dass in dem wachsenden Wissen „in seinem Leben irgendwie gefehlt zu haben“ das Außen erreichte nun endgültig seine Bedeutung verliert?

Wäre es so verwunderlich, wenn gerade die Erkenntnis eines „nicht identischen Lebens“ der letzte große Tropfen ist, der das darüber entstandene, schon längst randvolle Fass endgültig  zum Überlaufen bringt?


Die Frage nach Identität wird in dieser Lebensphase zum zentralen Punkt für Gesundheit und Zufriedenheit -die fehlende Antwort darauf führt immer mehr Menschen in die Krise

Jeder Mensch verfügt in seinem Leben über ein bestimmtes Energiepotential und Kraftreserven, die irgendwann ausgeschöpft sind, wenn sie nicht aufgefüllt werden.
Zusammen mit dieser Tatsache halte ich den Punkt mit für einen entscheidenden in der Entstehung eines Burnouts um die Lebensmitte herum:

Die zunehmende Konfrontation mit dem Innen durch das gesicherte Außen und die plötzlich erschreckende Erkenntnis über ein nicht wirklich gelebtes Leben...

 

 

11 Kommentare

  1. Michael Matthusen am 25.02.2012 um 17:41 Uhr

    Sehr guter Blog. Mal auf den Punkt gebracht.

  2. Thomas am 26.02.2012 um 02:15 Uhr

    It isn't often a writer comes up with such engaging material, but you really exceeded my expectations with this informative article. I agree on many points you have made here.

  3. Wilfried Oberrath am 28.02.2012 um 15:21 Uhr

    Absolut lesenswert: Für den Gefährdeten, aber auch für den (noch nicht) Gefährdeten.

  4. Michael am 04.03.2012 um 17:46 Uhr

    ................wirklich ein sehr guter blog, in dem sich sicher viele Stressgeplagten wieder finden. Vollbremsung oder die angesprochene "Rückzahlung" auf das eigene "insolvente" Lebenskonto beinhaltet meist aber auch, ohne den bisherigen kraftzehrenden Job auskommen zu müssen, oder möglicherweise eine längere Pause einzulegen. Wer wagt sich das schon, BEVOR die Krankheit ihren oder der Körper seinen Tribut einfordert und es eben nicht mehr geht.

    Burn out ist demnach keine Krankheit, sondern resultiert aus einer falsch verstandenen Lebensplanung.

    Besten Gruß Michael

  5. Peter am 04.03.2012 um 20:22 Uhr

    ...super blog! Interessante Sichtweise, über die man so noch nicht nachgedacht hat.

  6. Peter am 15.03.2012 um 17:43 Uhr

    Man selber ist "sichtbehindert", wenn man sich darum bemüht, einen realistischen Blick auf sein Tun, sein Handeln, seine Emotionen, seine Seelenverfassung - auch seine körperliche Verfassung - zu werfen. Es bedarf, auch wenn man es nicht wahrhaben will, professioneller Analyse und Neuausrichtung. Insofern ist nicht nur ein Blog wie dieser sehr hilfreich, sondern der Dialog mit einem außenstehenden Profi. Ein solcher Mensch ist Dr. Mirriam Prieß, die mit hoher Konzentration, Ruhe und sanfter Lenkung den Kern des Problems einkreist und den Betreffenden auf den Weg einer Lösung führt. Auch die Vorträge, die sie zum Thema Burnout hält, sind wegen ihres aufklärerischen und präventiven Charakters unbedingt zu empfehlen. Fazit: eine großartige Ärztin!

  7. Christopher am 02.04.2012 um 12:42 Uhr

    "Gnothi Seautón!" - um mit dem Orakel von Delphi zu sprechen... anderenfals gibt es "Kriechströme" - um mit Mirriam Prieß zu sprechen!
    In diesem Sinne, Christopher

  8. Silvio am 31.01.2014 um 22:37 Uhr

    Ich kann mich nur für das Buch bedanken. Und das mache ich sehr herzlich. Ursache und daraus resultierende Folgen sind verständlich dargelegt, Hilfe ist klar definiert. Dieser Ratgeber sollte als Lehrmittel schon in den Schulen dienen. Nochmals besten Dank.

  9. Jürgen Gallina am 07.05.2014 um 09:54 Uhr

    Ich kann nur ihre Bücher empfehlen, sie treffen genau den Kern, klasse.

  10. Peter Reitz am 01.07.2014 um 00:34 Uhr

    Klasse Artikel, das Thema spielt im Karrierecoaching oft eine Rolle!

  11. Hans Georg Witthohn am 01.08.2014 um 11:48 Uhr

    ich stimme Ihnen voll und ganz zu Frau Doktor jetzt nach meinem Arbeitsleben fühle ich mich leer und nutzlos - also Ihre Thesen
    verinnerlichen und den Blick nach
    vorn richten.....


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